Ist eine Frauenqoute sinnvoll für Betriebe?

Immer wieder wird in Zeitung, Fernsehen oder Internet über Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Beruf diskutiert. Besonders die freiwillige Einführung der “Frauenquote” ist in vielen Firmen und in den Medien ein heikles Thema.

Doch was soll die Frauenquote überhaupt erreichen und ist sie sinnvoll?

Die Frauenquote – was ist das?

Als Frauenquote wird der Anteil an Frauen verstanden, welche unter allen Angestellten in Führungsebenen in einem Unternehmen beschäftigt sind. Fakt ist, dass deutlich mehr Männer als Frauen in Führungspositionen arbeiten, dies besonders im wissenschaftlichen Bereich. Die Meinungen über die Gründe hierfür gehen weit auseinander. Die einen sprechen von generell fehlendem Interesse der Frauen an wissenschaftlicher Arbeit, andere davon, dass einfach vorrangig Männer in Führungsebenen eingestellt werden, da diese geeigneter erscheinen und auch bezüglich der Elternzeit meist nicht ausfallen.

Das Vorhaben einiger Firmen, die Quote der weiblichen Mitarbeiter in höheren Positionen auf bis zu 30 Prozent zu erhöhen, sorgt für Diskussionsstoff. Im europäischen Vergleich liegt Deutschlands Frauenquote mit ungefähr 13 Prozent deutlich hinter Norwegen (42 Prozent) und Schweden (27 Prozent), aber noch vor Frankreich (10 Prozent). Den Anfang für die Frauenquote lieferte Norwegen, wo die konservative Regierung schon 2006 allen börsenorientierten Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent im Aufsichtsrat vorschrieb. Auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Spanien gelten schon Regelungen über einen Mindestprozentsatz an Frauen in Aufsichtsräten.

Aber ist es sinnvoll, dass ein bestimmter Prozentsatz an Frauen in Führungsebenen beschäftigt werden müssen? Schaut man sich Statistiken zum Gehaltsunterschied von Männlein und Weiblein an, kann man nicht umhin, sich ebenfalls Gedanken über eine solche Quote zu machen, denn Frauen verdienen im EU-Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer. Hier einige Beispiele: In Italien verdienen Frauen fast fünf Prozent weniger als Männer, in Belgien und Portugal sogar neun Prozent. Bekommen in Spanien, Irland, Dänemark und Schweden die Frauen schon 17 Prozent weniger für ihre Arbeit, folgen Frankreich und Großbritannien mit um die 20 Prozent, Griechenland mit 22, Deutschland mit über 23, Österreich mit über 25 und Estland mit mehr als 30 Prozent.

Was sagen die Firmen zur Frauenqoute?

Die meisten Firmen setzten auf die Qualifikation und Eignung der Bewerber. In Interviews betonen große Unternehmen immer mehr, dass beim Geschlecht kein Unterschied gemacht werde. Generell würde sich für die Förderung weiblicher Mitarbeiter (besonders in technischen Berufen) eingesetzt, besonders, wenn es um flexible Arbeitszeitmodelle geht. Bei Adidas liegt der Anteil von Frauen in Managementpositionen bei über 30 Prozent. Andere Konzerne, bei denen eine solch verhältnismäßig hohe Quote herrscht, wie Beiersdorf, Fresenius oder der Deutschen Post, sind eher gegen die Einführung einer Frauenquote, da man der Meinung ist, durch Teilzeit- und andere Modelle der Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegen zu kommen.

Andere große Unternehmen wie die Auto – und Hightech – und Pharmakonzerne liefern bislang Quoten von fünf bis 14 Prozent. Diese haben eine Einführung der Frauenquote nur zum Teil im Sinn, denn auch hier setzt man auf eine Verstärkung der Frauen in Führungsebenen ohne sie. So rufen viele Firmen Initiativen ins Leben wie die “Women Leadership” von Bayer Health Care, um Frauen den Weg in höhere Positionen leichter zu machen, und auch schmackhaft.

Ist die Frauenqoute sinnvoll oder nicht?

Umfragen zufolge ist keine eindeutige Mehrheit für die Frauenquote. Als Gründe dafür wird angegeben, dass dadurch bei gleichbleibender Qualifikation letztendlich Männer benachteiligt würden. Befürworter der Quote glauben, dass so der Benachteiligung der Frau entgegengewirkt werden könne.

Es ist schon richtig, dass eine Frauenquote bedeutet, dass man für gewisse Positionen nur Frauen einstellen darf und muss. Hat man mehr qualifizierte männliche Bewerber, muss man trotzdem die Frau nehmen, obwohl der Mann geeigneter erscheint? Natürlich funktioniert die Quote so nicht. Vielmehr sollten Firmen auf Unterstützungsprogramme setzten, die den Frauen die Angst vorm Versagen nehmen. So viele Frauen müssen sich an einem Punkt im Leben für Karriere oder Beruf entscheiden, weil ihre Arbeit eine Kombination von beidem nicht zulässt. Diesem sollte entgegengewirkt werden, dann steigt die Quote von selbst.

Doch schon in der Schulzeit und Ausbildung können die Weichen gestellt werden. Den meisten Frauen fehlt es an wissenschaftlichem und technischem Interesse. Kein Wunder, wenn der Mathelehrer immer ein Mann ist, grundsätzlich etwas gegen Mädchen hat und ihnen auch automatisch weniger zutraut. Technische Berufe sollten auch Frauen schmackhaft gemacht werden.

Aktuelle Studie belegen sogar, dass Firmen mit weiblichen führenden Mitarbeitern mehr Gewinn erwirtschaften. Die Anzahl der weiblichen Bewerberinnen richtet sich jedoch natürlich auch immer nach der Produktpalette der Unternehmen. In einer würden wohl eher Frauen sich bewerben. Frau muss sich mehr zutrauen. Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte hemmen Frauen bei ihrer beruflichen Laufbahn, sodass viele sich unterschätzen.

Fazit zur Frauenqoute:

Eine Förderung der Gleichberechtigung ist in jedem Fall sinnvoll, jedoch darf nicht aus den Augen verloren werden, dass es letztendlich um Qualifikation geht. Genau da muss angesetzt werden: Frauen sollten schon von vornherein dieselben Chancen zur beruflichen Qualifikation erhalten, dann spart man sich eine nachträgliche Frauenquote.